Knie – TEP

So stark hängt der Erfolg der Knie-TEP vom Operateur ab

verfasst von: Dr. Elke Oberhofer

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Den Einfluss orthopädischer Chirurginnen und Chirurgen auf die 1-Jahres-Ergebnisse nach Knie-TEP hat ein Team der Cleveland-Clinic in Ohio untersucht ­– mit überraschendem Ergebnis.

Das Wichtigste in Kürze zu dieser Studie finden Sie am Ende des Artikels.

Zwischen 20% und 30% der Patienten sind mit dem Ergebnis ihrer Kniegelenkersatz-Op. nicht zufrieden. Neben Faktoren wie Implantat-Design, Op.-Technik oder patientenseitigen Parametern spielt offenbar auch das individuelle Können des orthopädischen Chirurgen für das Gelingen eine nicht unerhebliche Rolle. Dass dieser Faktor bisher wahrscheinlich unterschätzt wurde, legt eine Studie der Cleveland Clinic OME Arthroplasty Group nahe.

Rechenmodell auf Basis von über 5000 Operationen

Die Forscher um SaTia Sinclair kreierten ein Rechenmodell, das auf den Daten von 5429 realen Knie-TEP-Operationen beruhte, welche zwischen 2016 und 2018 in der Cleveland Clinic durchgeführt worden waren. Bei den Eingriffen waren 36 Chirurginnen und Chirurgen am Werk gewesen, das mittlere Patientenalter lag bei 67 Jahren. Insgesamt hatten sich die Werte in den jeweiligen KOOS-Bereichen (das Akronym steht für Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Score) ein Jahr nach der Op. in den meisten Fällen klinisch relevant gebessert: die Schmerzen (KOOS-Pain) im Mittel um 93%, die Funktion (KOOS-PS) um 76% und der zusammengesetzte Endpunkt aus Kniesteife, Schmerz und Funktion (KOOS-JR) um 91%. Knapp 18% der Patienten mussten mindestens drei Tage stationär bleiben, rund 11% wurden danach in eine Pflegeeinrichtung entlassen und bei etwa 9% wurde innerhalb von 90 Tagen ein erneuter Klinikaufenthalt erforderlich.

Um den Einfluss der Operierenden auf die Ergebnisse zu ermitteln, wurde ein Modell simuliert, in dem jeder Chirurg 30.000 Patienten behandelte. Die daraus resultierenden 1 Million Arzt-Patienten-Kombinationen wurden dann im Hinblick auf die o. g. Parameter ausgewertet.

Signifikanter Einfluss auf viele Größen

In der Wahrscheinlichkeitsrechnung war der Einfluss des Operateurs/der Operateurin auf die Parameter „KOOS-Pain“, „KOOS-PS“ und „KOOS-JR“ signifikant, ebenso der Einfluss auf den „Patient Acceptable Symptom State“ (PASS), mit dem die generelle Zufriedenheit der Patienten mit der Knieprothese abgefragt wird. Deutlich abhängig vom Chirurgen waren außerdem die Liegedauer, der Entlassungsmodus und die Wiederaufnahmerate. Wenn man die jeweiligen 1-Jahres-Ergebnisse modellierte, trugen Operierende in der Regel mehr dazu bei als Patientenfaktoren wie BMI oder Charlson-Comorbidity-Index (CCI). Insgesamt hatte man 18 Variablen berücksichtigt. Die Rangfolgen im Einzelnen:

  • Beim KOOS-Pain war der Chirurg der fünftgrößte Einflussfaktor, noch vor Rauchstatus, Polyethylenstärke und sozioökonomischer Benachteiligung (gemessen als Area Deprivation Index, ADI).
  • Beim KOOS-PS rangierte der Operateur vor Polyethylenstärke, BMI, CCI, Geschlecht und ADI (Platz 6).
  • Beim KOOS-JR spielte der Chirurg eine wichtigere Rolle als zahlreiche andere Faktoren, z. B. Patientenedukation, Geschlecht, BMI, ADI, CCI, Rauchstatus und präoperative Schmerzen (Platz 5).
  • Auf die Patientenzufriedenheit laut PASS hatten die Operateure zwar weniger Einfluss als Alter, Rauchstatus oder Ausgangsfunktion, sie waren aber wichtiger für das Ergebnis als z. B. BMI, Art der Femurfixation (zementiert oder unzementiert), Patientenedukation, Ausgangsschmerz, Art der Anästhesie oder Implantattyp (Platz 6).

Für die Dauer des Klinikaufenthalts war der Chirurg sogar am zweitwichtigsten, für die Entlassungsmodalität am viertwichtigsten und für die Wiederaufnahmerate am fünftwichtigsten.

Sinclair und ihr Team heben hervor, dass das Op.-Volumen bei diesen Unterschieden offenbar keine Rolle gespielt hatte. Dies könne jedoch damit zu tun haben, dass alle orthopädischen Chirurgen aus demselben Zentrum stammten und demnach wohl in etwa gleich häufig Knieoperationen vornahmen.

Anzumerken ist, dass die Nachbeobachtungszeit von einem Jahr zu kurz ist, um das definitive Ergebnis einer Kniegelenkersatz-Op. beurteilen zu können.

Das Wichtigste in Kürze
Frage: Einfluss des Chirurgen bzw. der Chirurgin auf subjektive Ergebnisse ein Jahr nach Knie-TEP sowie auf die Dauer des Klinikaufenthalts, die Entlassungsmodalität und die Wiederaufnahmerate.Antwort: Zwischen Operierenden einerseits und Parametern wie KOOS-Pain, KOOS-PS, KOOS-JR, PASS, Klinikaufenthaltsdauer, Entlassungsmodalität sowie Wiederaufnahmerate andererseits konnten signifikante Zusammenhänge festgestellt werden.Bedeutung: Chirurgen haben möglicherweise stärkeren Einfluss auf die Ergebnisse einer Knie-TEP als viele Patientencharakteristika, die in der Literatur häufig mit einem nicht zufriedenstellenden Outcome assoziiert werden.Einschränkung: Monozentrische Studie; nur primäre Eingriffe zum Totalersatz (TEP) berücksichtigt; Nachbeobachtung auf ein Jahr begrenzt; Compliance, z. B. mit Rehamaßnahmen, nicht erfasst.

Aus Springer Medizin

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