Wie wirksam ist die Stoßwellentherapie bei Gonarthrose wirklich?
verfasst von: Dr. Nicola Zink
Eine systematische Übersicht liefert Hinweise auf eine potenzielle Wirksamkeit der extrakorporalen Stoßwellentherapie, kurz ESWT, bei Kniegelenksarthrose. Allerdings war die vorhandene Studienlage recht heterogen.
Stoßwellen sind hochenergetische Druckwellen, die schon seit Jahrzehnten in der Orthopädie eingesetzt werden. Auch zur Therapie der Kniegelenksarthrose gab es in den vergangenen zehn Jahren bereits zahlreiche Studien. Jedoch sind sich die Forschenden über die Wirkung der Therapie und die adäquaten Anwendungsprotokolle teilweise uneins.
Deshalb hat sich ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von der Universidade Federal de Juiz de Fora in Brasilien eine Übersicht über die Studienlage gemacht. Sie stießen auf über 4.000 einschlägige Artikel, von denen sich zwölf für eine Metaanalyse eigneten. Beteiligt waren 403 Patientinnen und Patienten mit Kniearthrose, die eine ESWT erhalten hatten, und 331 Frauen und Männer, die ebenfalls an Gonarthrose litten und den Kontrollgruppen zugeteilt waren.
Vergleich mit Scheinbehandlung oder Bewegungstherapie
Die Forschenden bewerteten die Wirkung auf Schmerz und Funktionalität. Dabei verglichen fünf der ausgewählten Studien die ESWT mit einer Scheinbehandlung und sieben Untersuchungen die ESWT in Verbindung mit einer Bewegungstherapie mit einer alleinigen Bewegungstherapie. Die Scheininterventionen wurden mit vernachlässigbarer Energieintensität durchgeführt, die Bewegungstherapie umfasste verschiedene therapeutische Übungen wie Dehnung, Kräftigung und aerobe Übungen. Beim Follow-up wurden drei Zeitspannen festgelegt, eine kurzzeitige (3–6 Wochen), eine mittelfristige (7–10 Wochen) und eine langfristige (10 oder mehr Wochen), um die unmittelbaren Auswirkungen der Therapie und ihren zeitlichen Verlauf zu untersuchen.
Die Analyse deutet darauf hin, dass in puncto Funktionalität des Knies, die Stoßwellentherapie der Scheintherapie im kurzzeitigen Follow-up überlegen ist. Der Evidenzgrad war jedoch sehr niedrig. Beim Merkmal „Schmerz“ erlangte die ESWT kurz-, mittel- und langfristig bessere Ergebnisse als die Scheintherapie; die Evidenzlage war hier niedrig bis sehr niedrig. Die Kombination mit einer Bewegungstherapie verbesserte sowohl das funktionelle Outcome während des kurzen Follow-up von drei bis sechs Wochen als auch die Schmerzen der Patientinnen und Patienten kurz-, mittel- und langfristig.
Therapeutische Richtlinien wenig befolgt
Die ausgewerteten Daten waren jedoch von einer großen Heterogenität geprägt: Von den zwölf einbezogenen Studien kamen in neun die radiale und in einer die fokale Stoßwellentherapie zur Anwendung. In den übrigen zwei Studien wurde der verwendete Wellentyp nicht erwähnt. Die Energieintensität wurde nur in vier Studien im Bereich von 2,0 bis 20 bar beschrieben. Der Energiedichteparameter, die Anzahl der angelegten Impulse pro Sitzung und die mediane Triggerfrequenz variierten ebenfalls.
Weitere Studien mit einer adäquateren Methodik seien notwendig, insbesondere unter Einbeziehung von Bewegungstherapieprotokollen, schreiben die brasilianischen Studienautorinnen und -autoren. Denn schon alleine bei der Bewegungstherapie hatten die von ihnen analysierten Untersuchungen nicht den Empfehlungen für das Management von Kniearthrose in Bezug auf Belastung und Trainingsvolumen entsprochen. Zukünftige Studien sollten detaillierte Übungsprogramme auf Grundlage der Richtlinien der Osteoarthritis Research Society International (OARSI) befolgen.
Aus Medscape
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